Von wegen erfrieren: Zecken und Mücken sind bestens gerüstet

300109bBorgholzhausen (anke). Temperaturen bis minus 20 Grad – da keimt bei vielen die Hoffnung, dass sich die Zahl der Plagegeister wie Zecken und Mücken ordentlich reduzieren wird. Das ist leider ein Irrglaube: „Die meisten Insekten haben sich an den Winter hervorragend angepasst“, sagte Bernhard Walter, Leiter der Biostation Bielefeld-Gütersloh.

Der knackig kalte Januar ist keine Ausnahme, obwohl darum viel „Bohei“ gemacht wird, wie Bernhard Walter es ausdrückt. „Es ist einfach nur Winter“, stellt der Biologe fest, dass es solche Temperaturen immer schon gegeben hat. Unsere heimischen Insekten haben sich über Jahrtausende an dieses Klima prima angepasst. „Gegen diese Temperaturen sind sie relativ resistent“, so der Borgholzhausener Experte. Insekten überleben die kalte Jahreszeit mit verschiedenen Strategien. „Einige Arten überwintern als Ei, andere im Larvenstadium“, sagt Bernhard Walter. Wieder andere Arten überwintern als Puppe oder als Adulte. Die meisten Arten können bei Abkühlung die Bildung von Eiskristallen in ihrer Körperflüssigkeit verhindern. Sie haben zur Gefrierpunktserniedrigung Glycerin und Saccharide als Frostschutzmittel in ihrer Körperflüssigkeit und überleben so tiefe Temperaturen in einer Winterstarre. „Einige suchen sich Verstecke, die möglichst frostfrei bleiben“, so der Biologe weiter. Sie verkriechen sich im Boden, unter Baumrinden, in Felsspalten und auch in Ritzen an Häusern. Mücken überwintern gern in Kellern oder Ställen. Die Zeckenweibchen legen ihre Eier an einem geschützten Ort ab und sterben. Die Eier halten Temperaturen von bis zu minus 20 Grad aus. „Viel schlimmer für Insekten sind feuchtwarme Winter, da werden sie leicht von Pilzerkrankungen befallen“, sagt der Piumer. Auch plötzliche Kälteeinbrüche im Frühjahr, wenn die Tiere aus ihrer Winterruhe erwacht sind, machen den Insekten viel mehr zu schaffen als harte Winter. Richtig dramatisch sieht es bei geschlossener Schneedecke für die natürlichen Feinde der Insekten aus, die Vögel. Und das kann dazu führen, dass Insekten nach langen harten Wintern sogar vermehrt auftreten. „Vögel finden bei geschlossener Schneedecke keine Nahrung“, verdeutlicht Walter. „Wir haben sogar schon einen toten Kormoran und einen toten Fischreiher gefunden.“ Auch Mäusejäger, wie Eulen, finden unter einer geschlossenen Schneedecke keine Nahrung. Einigen Arten, wie den Spatzen, den Buchfinken und den Meisen könne man durch Zufütterung helfen, den Winter zu überleben, damit sie im Frühjahr wieder auf Insektenjagd gehen können.



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