Die vielen Gesichter des Ringelnatz

41109steinhvon Dennis Carlmeyer Steinhagen-Brockhagen. Mit einem literarischen und musikalischen Leckerbissen gingen die Steinhagener Kulturtage in die zweite Runde. Schauspieler und Ringelnatz-Preisträger Achim Amme, Grafiker Bernd Lehmann und Musiker Ulrich Kodjo Wendt empfingen rund 80 Besucher in der ausverkauften Alten Dorfschule in Brockhagen zu einer literarischen Begegnung mit dem bekannten Dichter Joachim Ringelnatz.

»Echt verboten. Bio-Grafisch – Lied-er®atisch« so lautete der Titel des Programms, mit dem die drei Künstler, anlässlich des 75. Todestages von Joachim Ringelnatz, mit den zahlreichen Vorurteilen um dessen Person aufzuräumen versuchten. Von Kritikern wird der, 1883 als Hans Gustav Bötticher geborene Dichter, oft nur als Spaßvogel und Ulknudel tituliert. Doch Joachim Ringelnatz war mehr. Eine entscheidende Rolle für die Karriere von Joachim Ringelnatz hatte sein Vater Georg gespielt, zu dem er ein sehr inniges Verhältnis hatte. Schon als Kind eiferte er seinem Vater, der selbst ein Schriftsteller war, nach. Georg Bötticher war es auch, der half, die ersten Werke seines Sohnes zu veröffentlichten. Ringelnatz selbst hatte eine schwere Kindheit. Er wurde wegen seines Aussehens oft gehänselt. Schon in frühen Jahren entwickelte er daher einen Hang zur Selbstironie und für das Abenteuerliche, was sich in seinen späteren Werken widerspiegelt. „Die Jahre 1901 bis 1908 kann man als seine Wander- und Lehrjahre einordnen“, erklärte Achim Ammer. Nach seiner Schulzeit, die für Bötticher alles andere als reibungslos verlief, arbeitete er als Schiffsjunge auf einem Segelschiff. Dies war nur einer von den insgesamt wohl 30 Jobs Böttichers. Ein entscheidendes Ereignis im Leben des Dichters war 1909 der Beginn seiner Auftritte in der Münchner Künstlerkneipe »Simplicissimus«, wo er bald eine Anstellung als Hausdichter fand. „Allmählich bekam er die Anerkennung, die er sich schon als Kind immer gewünscht hatte“ so Amme. Doch erst nach dem Krieg gelang Bötticher der Durchbruch. Im Dezember 1919 verfasste er erstmals Gedichte unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz. Kurz darauf erschienen seine beiden wohl bedeutendsten Gedichtsammlungen »Kuttel Daddeldu « und die »Turngedichte«, aus denen Achim Amme einige Passagen vortrug. Doch neben seinen späteren Erfolgen als Maler, Schauspieler und Kabarettist erlebte Ringelnatz auch die Schattenseiten des Lebens, wie Obdachlosigkeit, Armut und Auftrittsverbot in den Zeiten des NS-Regimes. Diese Erlebnisse spiegelten sich auch in seinen Texten wider, die ernster und philosophischer wurden.Am17. November 1934 erlag Ringelnatz dann den Folgen einer schweren Tuberkulose-Erkrankung. Achim Ammer ging in der Rolle des Joachim Ringelnatz regelrecht auf. Leidenschaftlich und voller Inbrunst zitierte er aus den sarkastischen und mit jeder Menge schwarzem Humor gespickten Werken und Liedern des Künstlers. Begleitet wurde er dabei von Ulrich Kodjo Wendt auf dem Knopfakkordeon. Abgerundet wurde das harmonische Zusammenspiel von Literatur, Musik und Gestaltung durch die Radierungen von Grafiker Bernd Lehmann, die den Künstler in den verschiedenen Phasen seines Schaffens zeigten.



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