Schon sehr früh flügge geworden

steinhVon Florian Gontek Steinhagen-Brockhagen. Die Sonne scheint. Anne Thylen sitzt auf dem Hof ihrer Eltern in Sandforth. Das Klima in Schweden sei anders, erzählt sie. Nachts sei es dort sehr viel kühler. Zweimal im Jahr besucht Anne ihren Vater Wilken und Mutter Renate Ordelheide in Deutschland. Ihre Eltern freuts, wenn sie die Tochter wiedersehen, die es bereits vor 16 Jahren ins Ausland verschlug.

„Ich habe meine Ausbildung in Brockhagen bei Armin Rieke als Raumausstatter gemacht. MeinTraumwar es dannimAusland zu arbeiten“, erzählt Thylen, die sich inzwischen selbstständig gemacht hat. Über Kontakte kam sie in die schwedische Industriestadt Helsingborg, wo sie auch ihren späteren Mann kennenlernte. „Doch ich wollte mehr sehen und zog weiter nach Liechtenstein“, führt sie aus. Auch dort hielt es die zierliche Frau nur zwei Jahre. 1998 kehrte sie wieder in die achtgrößte Stadt Schwedens zurück. „Mein Mann hatte mich vor die Wahl gestellt, und dann bin ich wieder nach Schweden zurückgekehrt.“ Die Firma, für die sie vorher in Schweden gearbeitet hatte, gab es nicht mehr und so beschloss Anne Thylen, sich selbstständig zu machen. Sie hat sich aufdemHof ihres Mannes eine eigene Polsterwerkstatt eingerichtet und ist in Schweden sesshaft geworden. In den typischen Seegegenden in Schweden wohne sie nicht wirklich, gibt sie zu. „Mein Mann ist Landwirt und wir haben einen Hof in Südschweden in der kleinen Stadt Svalöv nahe Helsingborg. Dort ist es noch idyllischer als hier“, beschreibt sie. Schweden sei ohnehin viel schöner und ruhiger als Deutschland und habe so viel unberührte Natur. „Und im Vergleich zu Deutschland leben dort auch so wenige Menschen“, schildert die Mutter dreier Kinder . Aber auch sonst ist einiges anders im schwedischen Königreich.

„Die Randstundenbetreuung für Kinder ist dort sehr viel günstiger als in Deutschland. Für einen Monat bezahlen wir dort umgerechnet maximal 100 Euro. Das dritte Kind ist fast gratis“, erzählt sie mit einem Akzent, der dem freundlichen Mann aus der Ikea-Werbung ähnelt. Dann schaltet sich Mutter Renate Ordelheide in das Gespräch mit ein. „Mir als Hausfrau ist direkt aufgefallen, dass die Verpackungen in Schweden sehr viel größer sind als bei uns in Deutschland. Haferflocken bekommt man dort nicht unter einemKilo.“ Das deutsche Essen möchte Anne Thylen trotzdem nicht missen. „Die Bratwurst in Schweden schmeckt scheußlich und die Qualität ist auch nicht so gut wie die der deutschen Bratwurst. Aber Fleisch ist bei uns in Schweden ohnehin sehr teuer“, berichtet die rothaarige Frau, die die Milchprodukte aus dem Land der Elche nicht missen möchte. Acht Stunden benötige sie mit dem Auto, um ihren schwedischen Wohnort von Ostwestfalen aus zu erreichen. „Die Reise ist sehr entspannend, weil man sich auf der Fähre von der Autofahrt erholen kann. Um auf einen Kaffee vorbeizukommen, ist es allerdings etwas zu weit“, gibtMutter Renate lachend zu. Inzwischen hat sich Anne bei ihren Eltern wieder verabschiedet und die acht Stunden nach Schweden hinter sich gebracht. Aber das kennen die Ordelheides ja schon. Es ist schließlich seit 16 Jahren so.

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