Radiospaß für Gehörlose

borgh„Im Prinzip ist es vergleichbar mit der Ausstrahlung der Tagesschau auf den dritten Programmen”, erläutert Knut Weltlich. Einziger Unterschied: Bei »Deaf Space Radio«, so der Name des Gehörlosen-Senders, wird die Übersetzung vorher aufgezeichnet und dann als Videofilm ausgestrahlt, während bei der »Tagesschau« ein Gebärdendolmetscher das Gesagte live übersetzt.

Obwohl es viele Internet-Plattformen für Menschen ohne Gehör gebe, sei ein reines Entertainmentangebot wie bei »Deaf Space Radio« einzigartig, so Weltlich. Denn das Radio war bislang das einzige Medium, das für Gehörlose nicht zugänglich war. „Wir betreiben also echte Pionierarbeit”, sagt der Vertreter für Schwerbehinderte bei Bertelsmann.

Einem größeren Publikum wurde das Projekt erstmals auf der Reha-Care, der Fachmesse für Menschen mit Handicap in Düsseldorf, im vergangenen Jahr vorgestellt. Zusammen mit Schülern der RTL-Journalistenschule produzierte die Schwerbehindertenvertretung der Bertelsmann AG live vor Ort das Gehörlosen-Radio. „Die Leute haben uns auf die Schulter geklopft, so begeistert waren sie. Wir haben voll ins Schwarze getroffen”, erzählt der Wertheraner Weltlich.

Die Journalistenschüler schauten sich auf der Fachmesse um und produzierten anschließend vor Ort ihre redaktionellen Beiträge wie Interviews oder Umfragen. Diese wurden von Gebärdendolmetschern übersetzt und als Videostream ins Internet gestellt. Die Ergebnisse sind auf www.radiofuergehoer- lose.de zu sehen. „Die Resonanz war wirklich beachtlich, es gab viele, die meinten, dies sei die Idee des Jahres gewesen”, sagte Weltlich, der unter anderem schon live von den Paralympischen Spielen 2008 in Peking und 2010 in Vancouver für den Nachrichtensender n-tv berichtete.

Und weil das Radio für Gehörlose einfach etwas Galaktisches ist, was sich bisher niemand vorstellen konnte, sah der Stand auf der Reha-Care aus wie ein Weltraumschiff mit einer Beamerkapsel, in der die Gebärdendolmetscher standen.

Das Projekt »Deaf Space Radio« steht aber erst am Anfang seiner Entwicklung. In Zukunft sollen neben den Comedy- und Nachrichtenbeiträgen auch Musikformate umgeformt werden. „Was viele Menschen nicht wissen: Viele Gehörlose können Musik tatsächlich spüren, beispielsweise den Rhythmus und den Bass”, berichtete Weltlich. Musik für Gehörlose zu übersetzen sei jedoch keine einfache Aufgabe. „Hierfür müssen wir beispielsweise noch klären, wie die Kooperationen mit dem Radiocenter in Berlin in Zukunft aussehen soll”, erklärt der Bertelsmann-Beauftragte für Schwerbehinderte.

Welche Fortschritte das Projekt »Deaf Space Radio« in den vergangenen zwölf Monaten gemacht hat, wird auf der Reha-Care 2010 in der Zeit vom 6. bis 9. Oktober in der Halle 3 auf dem Stand H80 präsentiert.

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