Künftiger Secondhand-Markt der Arbeitslosenselbsthilfe setzt auf Beschäftigungsförderung

Bequeme Runde: Jürgen Delker, Detlef Spilker und Wolfgang Terwey vom Arbeitslosenselbsthilfeverein Gütersloh, Rolf Erdsiek (Jobcenter Gütersloh), Bürgermeister Klaus Besser, Abfallberaterin Anke Ulonska und Stefan Hellweg von der Gemeindeverwaltung, sowie Henrich Christoph König, Geschäftsführer der Perus GmbH (von links) sitzen schon Probe in dem ersten Wohnzimmer, das es in vier Wochen bei der ash zu kaufen geben wird. Foto: J. Wohlgemuth

Bequeme Runde: Jürgen Delker, Detlef Spilker und Wolfgang Terwey vom Arbeitslosenselbsthilfeverein Gütersloh, Rolf Erdsiek (Jobcenter Gütersloh), Bürgermeister Klaus Besser, Abfallberaterin Anke Ulonska und Stefan Hellweg von der Gemeindeverwaltung, sowie Henrich Christoph König, Geschäftsführer der Perus GmbH (von links) sitzen schon Probe in dem ersten Wohnzimmer, das es in vier Wochen bei der ash zu kaufen geben wird. Foto: J. Wohlgemuth

Steinhagen (mut). Dass es in Steinhagen bald zwei Gebrauchtartikel- Märkte geben könnte, das beunruhigt beide Anbieter offenbar nicht. Am Freitag, bei der offiziellen Vorstellung des künftigen Secondhand- Kaufhauses im Dorf, waren die Anbieter der Arbeitslosenselbsthilfe (ash) Gütersloh redlich bemüht, entspannt zu wirken.

Schließlich werde sich ihr Gebrauchtwarenkaufhaus am Kirchplatz 28 abgrenzen von der Gebraucht-Artikel-Börse (GAB), die an der Waldbadstraße 17 c entstehen soll. „Wir sind nicht kommerziell“, sagt ash-Geschäftsführer Wolfgang Terwey. „Wir vertrauen darauf, dass die Steinhagener Bürger den sozialen Charakter unserer Einrichtung erkennen und unterstützen.“

Abgeben und einkaufen
Bürger können und sollen gut erhaltene Gebrauchtartikel wie Möbel oder Haushaltsartikel bei der Arbeitslosenselbsthilfe (ash) abgeben, bevor sie diese womöglich wegschmeißen. Im Secondhand- Kaufhaus werden diese dann auf 570 Quadratmeter Angebotsfläche günstig verkauft. Im Lager und im Geschäft sollen Langzeitarbeitslose beschäftigt werden, um sie langsam an den Berufsalltag heranzuführen. „Unser Ziel ist immer, den Beschäftigten den Übergang in den regulären Arbeitsmarkt zu ermöglichen“, sagt Terwey. Das Konzept der ash ist daher ähnlich dem der Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung (GAB), die bislang einen solchen Gebrauchtartikelmarkt betrieb, vor einigen Wochen aber den Bankrott erklärte.

Daraufhin habe die Gemeinde gleich Kontakt zur Arbeitslosenselbsthilfe Gütersloh aufgenommen, erläuterte Bürgermeister Klaus Besser. „Denn es ist uns wichtig, dass es in Steinhagen weiterhin Beschäftigungsmodelle für arbeitslose Menschen gibt“, so Besser. „Das ist auch der politische Wille.“ Mit der Übernahme der Elektronikschrottsammlung – also dem mobilen Recyclinghof – hat die Kooperation von ash und Gemeinde schnell und unkompliziert begonnen.

Gewinn für alle
Aus Bessers Sicht hat das Projekt Secondhand-Kaufhaus in Steinhagens Ortskern vier wichtige Pluspunkte: ¦Das Projekt bietet Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose,

  • mit dem Einzug der ash wird der Leerstand am Kirchplatz beseitig,
  • es gibt eine günstige Einkaufsgelegenheit für Menschen an der Armutsgrenze,
  • es wird für eine sinnvolle Weiterverwendung von Alltagsgegenständen gesorgt, also Sperrmüll vermieden.

Deshalb gibt die Gemeinde eine Anschubfinanzierung von einmalig 10 000 Euro. Ein monatlicher Zuschuss von 1 000 soll folgen. So ist auch die Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung unterstützt worden.

Beratung und Betreuung
Laut ash-Geschäftsführung sei geplant, fünf Langzeitarbeitslose in dem künftigen Kaufhaus einzusetzen. Die werden vom Jobcenter des Kreises Gütersloh vermittelt. Für sie heißt es in Steinhagen dann nicht bloß Beschäftigung, sondern auch Betreuung. Ihnen sollen Anforderungen und Tätigkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes vermittelt werden, um sie für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Im Steinhagener Secondhand- Markt sollen die Mitarbeiter etwas lernen über Kundenumgang, Kassen- und Zahlungssysteme, Warenpräsentation und Preisfindung. Aber auch über Wareneingang und -ausgang, die Organisation eines EDV-gestützten Lagersystems, Kommissionierung und Arbeiten im Lager.

Kooperation mit »Laden«
Nicht nur beim Bürgermeister trifft das Projekt auf Zustimmung, sondern auch bei »Der Laden«. Diese Einrichtung von Caritas und Diakonie arbeitet ehrenamtlich und verfolgt einen ähnlichen Ansatz: Bürger können ihre getragene Kleidung dort abgeben und ein Team Freiwilliger verkauft diese an weniger betuchte Mitbürger. Von dem Erlös werden bedürftige Familien oder auch örtliche Vereine unterstützt.

„Wir haben diese Idee von Beginn begrüßt und sind sehr froh, dass die ash sie nun umsetzt“, sagte am Freitag Andrea Waschbüsch-Altmeyer. Die Sprecherin des Teams trat damit Aussagen anderer Teammitglieder entgegen, die zunächst eine Konkurrenzeinrichtung befürchtet hatten. Die werde es aber nicht geben, vielmehr setzen ash und »Der Laden« auf Kooperation. Mehrfach bekäme »Der Laden« nicht bloß Kleidung, sondern ganze Haushaltsauflösungen angeboten, könne diese aber aus Mangel an Personal und Kapazitäten nicht annehmen. Für solche Fälle sei nun die Arbeitslosenselbsthilfe da. Die versichert im Gegenzug, keine Kleidung zu verkaufen. Das bleibe dem »Laden« vorbehalten.

Zwischenlösung bei Perus
Die Perus GmbH, seit Anfang des Jahres Besitzer des Gebäudes, freut sich über die ash Gütersloh als neue Mieterin. Auch wenn Geschäftsführer Henrich Christoph König am Freitag gleich einschränkte, dass das Secondhand- Kaufhaus in dem Gebäude wohl nur eine Zwischenlösung sein werde. Langfristig plane die PerusGmbH&Co.KG eine Überplanung des gesamten Schlichte-Carrees (das HK berichtete). Und dazu gehöre eben auch diese Immobilie. Doch bis dahin werde es noch einige Zeit dauern.

Eröffnung am 15. August
Das neue Secondhand-Kaufhaus in dem ehemaligen Haus Brinkmann soll am Mittwoch, 15. August, eröffnen – kurz vor der Sommerkirmes. Geleitet wird es von Detlef Spilker. Es hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 13 Uhr. Zu diesen Öffnungszeiten können Bürger auch ihre gebrauchten, aber nicht mehr benötigten Gegenstände dort abgeben. Auch Elektro- und Elektronikschrott kann künftig dort abgegeben werden; Bürger müssen nicht mehr auf die Termine des mobilen Recyclinghofes warten. Den soll es aber zumindest eine Zeitlang noch parallel geben. Auch holen die ash-Mitarbeiter weiterverwendbare Möbelstücke von zu Hause ab. Eine Terminvereinbarung ist unter Tel 0 17 44 36 83 28 möglich.

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